Die chinesische Philosophie
Anders als in der westlichen Medizin wurzelt die chinesische Medizin in den naturphilosophischen Anschauungen des Taoismus. Der Taoismus entstand vor etwa 2500 Jahren in China zur Zeit der Zhou-Dynastie. Kern dieser Anschauung ist, dass die gesamte durch unsere Sinne wahrnehmbare Welt, nicht durch die Konstanz sondern den ständigen zyklischen Wechsel geprägt ist. 1 Die damaligen Taoisten untersuchten wie sich der Wandel Landschaft, Klima und Nahrung auf den lebenden Menschen auswirkt. Durch die Erkenntnis das Alles im stetigen Wandel steht, kann man auch verstehen das für die Chinesen der „Fels“ nicht das Sinnbild für Standhaftigkeit oder Festigkeit ist sondern der Vergänglichkeit, da er durch die ständigen Umwelteinflüsse verwittern kann. Auch wird Alles als ein Ganzes behandelt. So wird beispielsweise in der Akupunktur nicht nur ein Organ behandelt sondern der Körper als ganzes betrachtet und auch behandelt. Im Laufe der Entwicklung der Akupunktur nahm die Philosophie immer mehr Einfluss. Aus religiösen Gründen war es den Chinesen auch beispielsweise nicht gestattet Leichen zu öffnen. Daher hatten sie nur vage Kenntnisse über das Körperinnere und die Organe. Jedoch erklärten sich die Chinesen die Funktion des Körperinnern anders als wir.
Das Qi
Die Chinesen führten den Begriff der Lebensenergie ein, das Qi. Auch wird das Qi in der chinesischen Medizin als Gesamtheit aller Lebensaktivitäten angesehen. Hat ein Mensch also kein Qi mehr, so kann er keine Lebensaktivitäten ausführen und ist somit tot. Sehr wichtig für die Chinesen ist, das Qi immer in einem ausgewogenen Verhältnis im Körper vorkommt. Zuviel Qi ist genauso schädlich wie zu wenig. Denn was das eine Organ zuviel bekommt, kann das Andere unterversorgt werden.
3.3.3. Yin und Yang
Die Chinesen definierten, dass das Qi aus zwei Teilen besteht dem Yin und dem Yang.
Der Yang ist der Tag, die Sonne, das Männliche. Das Yin hingegen die Nacht, der Mond und das Weibliche. Für die Chinesen war die Gesundheit das Gleichgewicht zwischen Yin und Yang. Yin und Yang sind keine absoluten Vorgänge und können nicht unabhängig voneinander vorkommen. Die heutige Medizin versteht unter dem Yang die Überfunktion, die Anregung des sympathischen Nervensystems. Yin hingegen ist der Ausdruck des parasymphatischen Nervensystems. Das symphatische Nervensystem treibt unsere Organe an und kann eine körperliche Leistungssteigerung zur Folge haben. Das parasymphatische Nervensystem hingegen wirkt hemmend auf dem Organismus und dient auch unserer natürlichen Regeneration.
Die Meridiane
Die chinesische Medizin definiert, dass es in unserem Körper ein System von Leitbahnen gibt. Dieses sog. System nennt man das „Meridian-System“. Diese Leitbahnen sind Energiebahnen, durch die das Qi fließt. Unter der Annahme, dass bei Krankheiten der Energiefluss gestört ist, versucht man durch Reizung bestimmter Punkte auf diesen Meridianen eine Normalisierung zu erreichen. Nach traditioneller chinesischer Vorstellung durchziehen 12 Hauptmeridiane unseren Körper. Dabei sind es sechs Yin-Meridiane und sechs Yang-Meridiane. Yin-Meridiane sind Meridiane, die an der Außen- und Rückseite des Körpers verlaufen. Yang-Meridiane hingegen verlaufen an der Vorderseite und im Körperinneren. Die Meridiane verbinden unsere verschiedenen Organe miteinander. Es gibt jedoch weiterhin zusätzliche Meridiane, die die Hauptmeridiane mit Organen und anderen Körperteilen zu einem Kommunikationsnetz verweben. Meridiane können sowohl „Reize“ von außen ins Körperinnere als auch umgekehrt transportieren. Heutzutage werden Meridiane anhand komplizierter Messungen nachgewiesen. Viele Patienten spüren auch nach der Akupunktur ein Wärme- und Druckgefühl, das De-Qi-Gefühl, genau entlang des Meridianverlaufes. Bei jeder Krankheit gibt es spezielle Punkte und Bahnen. Der Dickdarmmeridian beispielsweise verläuft vom Zeigefinger über den Arm, die Schulter und den Hals bis zum Mund und zur Nase. Deshalb werden Punkte auf ihm bei Heuschnupfen, Halsentzündung, Ohrensausen oder Ähnlichen angewandt.
Die Akupunkturpunkte
Auf den Haupt- und Nebenmeridianen existieren 361 Akupunkturpunkte. Wobei die Anzahl der Punkte pro Meridian grundsätzlich verschieden ist. Beispielsweise hat der Blasenmeridian, der der längste Meridian ist, 67 Akupunkturpunkte und der Herzmeridian gerademal 9 Akupunkturpunkte. Zu bemerken ist, dass viele Punkte auf markanten Körperstellen liegen. So liegt der Punkt „Yintang“ beispielsweise genau über der Nasenwurzel. Er wird als wirksamer Akupunkturpunkt bei Kopfschmerzen und bei Schnupfen genommen. Des Weiteren gibt es Punkte die bei fast jeder Behandlung angesprochen werden. Hier ist zum Beispiel der Punkt „Baihui“ auf der Mitte des Schädeldaches zu nennen. Hier können viele Yang-Meridiane gleichzeitig, durch ihren örtlichen Verlauf an dieser Stelle, angesprochen werden. Auch gibt es Akupunkturpunkte, die nicht auf Meridianen liegen. Dies sind druckempfindliche Punkte die bei Muskelverspannungen angewendet werden. |