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Ayurvedische Heilmittel, Heilpflanzen und Gewürze


Heilmittel

 Ayurvedische Heilmittel werden nach strengen Regeln hergestellt und unterliegen heutzutage strengen Qualitäts- und Reinheitskontrollen durch moderne wissenschaftliche Verfahren. Man sollte diese Heilmittel generell nicht länger als sechs bis zwölf Monate aufbewahren. Bei Fertigpräparaten, die in Apotheken erhältlich sind ist das Haltbarkeitsdatum angegeben. Es gibt viel verschiedene Heilmittel im Ayurveda. Eine wichtige Rolle spielen die so genannten Anupanams. Dies sind Transportmedien, wie zum Beispiel Honig, weißer Kandiszucker, Rohrohrzucker, Milch oder Kaffee, die zusammen mit dem eigentlichen Heilmittel eingenommen werden und eine besserer Entfaltung der Wirkung dieser ermöglichen. Dazu wird die Menge, beispielsweise von Honig, genau so groß angesetzt, wie die des Heilmittels. Wenn keines der oben genannten Anupanams zur Hand ist, kann auch heißes Wasser als Transportmedium verwendet werden. Als nächstes sind die Churnas, Mischungen aus pflanzlichen und mineralischen Bestandteilen zu nennen. Sie bewirken die Stimulierung der Magensäfte, beruhigen bei schmerzhaften Koliken und stärken die Verdauung. Es existieren auch spezielle „Dosha – Churnas“, die gezielt beispielshalber Vatastörungen (Nervosität, Konzentrationsschwäche, Schlaflosigkeit) beheben. Aufkochungen und Aufgüsse von ayurvedischen Heilkräutern und Gewürzen nennt man Dekote. Hierbei wird der heilende Extrakt herausgelöst und kann so wirken. Dekote ist vergleichbar mit einem Erkältungstee, wie wir ihn auch in der westlichen Kultur anwenden. Eine zentrale Position nimmt bei den Heilmitteln das Ghee, zerlassenes Butterfett, ein. Dies wird allein durch die Beigabe des Titels „Lebenselixier“ deutlich. Es wirkt verjüngend, zellregenerierend, stärkt den Gewebestoffwechsel und die Immunabwehr. Die Menge des Ghee muss auf jede Person individuell abgestimmt werden. Dieses zerlassene Butterfett kann zum Kochen verwendet werden und verfeinert den Geschmack aller Speisen. Vitamin A und E, Niacin, Kalium, Kalzium, Phosphor, Magnesium und Eisen sind darin enthalten. Ghee ist hervorragend als Anupanam geeignet. Als folgendes sind die Gutis zu nennen. Das sind Tabletten und Pillen aus Pflanzenpulvern sowie Mineralien. Pflanzensäfte werden dabei als Bindemittel verwendet. Zur äußerlichen Anwendung wird aus frischen oder getrockneten Pflanzen und Gewürzen entweder mit Wasser, Milch, Honig oder Ghee ein Brei angerührt. Diese Pasten heißen Kalkas. Neben den vorher genannten Heilmitteln gibt es noch eine Heilmittelgruppe, die der Prävention dient, die Rasayanas. Alles was den Körper stärkt und belebt, ihn widerstandsfähiger gegen Krankheiten macht und Alterungsprozessen entgegenwirkt, ist ein Rasayana . Zur Vorbeugung von Krankheiten werden im Ayurveda vor allem Ghee und Mischungen aus Kräutern und Mineralien empfohlen. Allerdings befindet sich diese Heilmittelgruppe nicht nur auf einer medikamentösen Ebene, sondern es existieren auch so genannte „Rasayanas des Verhaltens“. So werden Mitgefühl, Respekt, menschliche Wärme, Freundlichkeit und Wahrhaftigkeit als verjüngend und gesundheitserhaltend gesehen. Dies ist wissenschaftlich so zu begründen, dass jeder gefasste Gedanke Neuropeptide auslöst, die an ihrem Bestimmungsort eine hemmende oder anregende Wirkung verursachen. Noch stärker vereinfacht könnte man also sagen: „Schlechter Gedanke – schlechte Wirkung auf unseren Körper. Guter Gedanke – gute Wirkung auf unseren Körper.“. Die letzte Gruppe der ayurvedischen Heilmittel sind die Tailas. Dies sind medizinische Öle mit Kräutern. Hierzu wird meist Kokos- oder Sesamöl als Grundlage verwendet. Vielseitige Verwendung finden Tailas in der Pancha Karma – Kur (siehe 3.2) oder auch bei der Massage zu Hause.

 

Heilpflanzen und Gewürze

Einer ayurvedischen Legende nach beauftragte der große Arzt Sushruta seine Schüler ihm so viele unnütze Pflanzen zu bringen, wie sie finden konnten. Der Erste kehrte mit dreihundert, der Zweite mit zehn und der Dritte mit einer Pflanze zurück. Nur der Lieblingsschüler Sushrutas kehrte erst nach drei Wochen verzweifelt mit der Begründung er hätte einfach keine unnütze Pflanze finden können zurück. Die Moral dieser Legende ist, dass es keinerlei nutzlose Pflanzen gibt und alle eine Wirkung auf unseren Körper besitzen. Im Ayurveda werden Präparate meist aus der ganzen Pflanze hergestellt. Die westliche Medizin hingegen extrahiert Einzelwirkstoffe, nimmt sie somit aus dem Gesamtzusammenhang und akzeptiert Nebenwirkungen. Oft werden auch Pflanzen kombiniert, da die Überzeugung existiert, dass es nie nur ein Gegenmittel gibt. So wird das Gleichgewicht erhalten, da sich die Substanzen ergänzen und unterschiedliche Reaktionen beeinflussen, die zur Heilung beitragen. Auch Heilkräuter aus unserer heimischen Flora finden im Ayurveda Anwendung. Allerdings sind in Fertigpräparaten meist Zutaten aus Asien enthalten, da dort deren Wirkung seit Jahrtausenden bekannt und erforscht ist sowie die klimatischen Bedingungen einfach besser sind. Zu Beginn müssen die drei wichtigsten ayurvedischen Früchte erwähnt werden – Amalaki, Haritaki und Bibhitaki. Der Amla – Baum (Sanskrit: Amalaki) stärkt neben seiner umfassenden Wirkung vor allem die Sehkraft. Die Frucht ist zwar vorwiegend sauer, allerdings schmeckt sie auch noch süß, scharf, bitter und herb. Dieser Baum ist in Indien in dem Dekkanplateau, an der Küste und in Kaschmir heimisch.

Von „har“ (wegnehmen) ist der Name der Haritaki – Frucht abgeleitet, die für das „Wegnehmen“ von Krankheiten berühmt ist. Diese Frucht beinhaltet auch die Geschmacksrichtungen süß, sauer, scharf, bitter und herb. Haritaki ist ein gutes Stärkungsmittel, fördert Langlebigkeit und stimuliert die Verdauungsenzyme.

Bibhitaki hat ebenfalls eine umfassend stärkende Wirkung innen, hilft aber besonderst bei Allergien. Außerdem wirkt sie gemischt mit Kurkuma (Gelbwurzel) gegen Asthma und Hautkrankheiten. Bei der Einnahme über einen längeren Zeitraum führt Bibhitaki zur Gewichtsreduktion, dem stärken der Sehkraft und zur Förderung von gesundem Haarwachstum.

Neben diesen drei Früchten, die in sehr vielen Arzneien enthalten sind, haben auch andere Pflanzen und Gewürze erstaunliche Wirkungen. So der Ingwer (Sanskrit: Sunthi), der ein typisches Heilmittel darstellt. Als Gewürz wirkt er zum Beispiel verdauungsanregend. Außerdem ist er appetitfördernd, herzstärkend und keimtötend. Er hilft bei Blähungen sowie Durchfall und unterstützt die Ausleitung von Giftstoffen aus dem Darm.

Schwarzer Pfeffer (Sanskrit: Maricha) ist seit dem Altertum bekannt und hilft ebenfalls bei Blähungen. Darüber hinaus wirkt er leicht fiebersenkend, entzündungshemmend und er reguliert den Wasserhaushalt des Darms.

Der in Bengalen und Bangladesch heimische Kurkuma (Sanskrit: Haridra) ist energiespendend und reinigend. Er steigert den Gallenfluss und die Leberfunktion. Dieses bei uns auch als Gelbwurzel bekannte Gewürz hilft bei Allergien, neutralisiert Gifte im Körper, wirkt entzündungshemmend und stoffwechselanregend. Mit Wasser als Paste angerührt und auf die Haut aufgetragen wirkt Kurkuma antiseptisch und abschwellend. Bei regelmäßiger Einnahme fördert dieses Gewürz generell die Ausstrahlung und Schönheit.

Aloe Vera (Sanskrit: Kumari) hilft bei Brandwunden und Stichen, da das Gel aus dem Blattinneren die Bildung neuer Hautzellen beschleunigt. Des Weiteren bindet Aloe Vera die Feuchtigkeit und führt somit zu einer zarten Haut.

Die Pfefferminze (Sanskrit: Phudina) ist in der milderen und mittleren Klimaregion zu Hause. Beispielsweise als Tee aufgegossen ist sie ein gutes Mittel gegen Übelkeit, Brechreiz, Völlegefühl, Durchfall und Blähungen. Besonderst gut wirkt Pfefferminze krampflösend. Als Öl auf die Schläfen aufgetragen lindert sie Kopfschmerzen.

Zur Beruhigung von Körper und Geist ist Muskat (Sanskrit: Jatiphala) sehr gut geeignet. Darüber hinaus hilft die Muskatnuss bei unfreiwilligem Urinabgang, vorzeitigem Samenerguss und Bauchkrämpfen.

Heilmittel, Heilkräuter und Gewürze wirken aufgrund ihrer Eigenschaften auch speziell auf die Doshas ein. Vataberuhigend wirken alle süßen und warmen Gewürze, wie Zimt, Kümmel, Muskat und frischer Ingwer. Schwarzer Pfeffer, Knoblauch, Senf und Petersilie hingegen sind Pittaanregend. Kapha wird beispielshalber durch Süßholz und Beinwellwurzel stimuliert.

Dies Alles stellt nur eine kleine Auswahl aus einer Vielzahl von heilenden Gewürzen und Heilkräutern dar, aber vermittelt trotzdem eine Vorstellung von der ungeheuren Wirkung dieser.

 

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letzte Aktualisierung am 26-12-05 um 17:00Uhr
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